Goethe und seine Liebschaften
Als Johann Wolfgang Goethe in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1749 in seinem Elternhaus im Großen Hirschgraben 23 in Frankfurt am Main geboren wurde, konnte keiner ahnen, dass hier einer der größten Weltliteraten aller Zeiten das Licht der Welt erblickte. So polyhistorisch sein Wissen und so umfangreich und brillant sein literarisches Werk, so turbulent verliefen auch seine zahlreichen Liebschaften. Goethe war eigentlich zeitlebens auf Partnersuche, gleichgültig ob er sich gerade in einer festen Partnerschaft befand oder nicht. Und Goethes Frauen hinterließen stets mehre oder weniger deutliche Spuren in seinen Texten.
Als 24-Jähriger etwa verliebte sich Goethe unsterblich und unglücklich in Charlotte Buff. Nur durch das Verfassen seines empfindsamen Briefromans "Die Leiden des jungen Werther" konnte er sich von der ihn so peinigenden Liebschaft innerlich befreien.
Als Straßburger Jurastudent lernte Goethe im Oktober 1770 die Pfarrerstochter Friedrike Brion kennen und lieben. Bereits ein Jahr darauf löste sich Goethe aus der stets problematischen Beziehung, die Eingang fand ins elfte Buch seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" sowie in die Sturm-und-Drang-Gedichte "Sesenheimer Lieder".
Mit der reichen Frankfurter Bankierstochter Elisabeth Schönemann verbindet Goethe eine Amour fou, Monate voller Verzweiflung und Leidenschaft, Attraktion und Abstoßung. Er verlobt sich sogar mit "Lili", bricht dann jedoch mit den Brüdern Stolberg zu seiner "Geniereise" auf. Als er heimkehrt, löst er die Verlobung und trennt sich von ihr.
Im Jahre 1775 in Weimar eingetroffen, wünschte die verheiratete Charlotte von Stein den Dichter des "Werther" kennen zu lernen. Es entstand eine tiefe, sehr vertraute Freundschaft, für die Goethe häufig das Wort "Liebe" fand. Man weiß nicht, ob diese Freundschaft tatsächlich nur platonisch war. Unumstritten jedoch ist, dass die Beziehung zwischen Goethe und Charlotte von Stein die intensivste und längste seines Lebens war.
Aus Zufall lernte Goethe seine spätere Ehefrau und Mutter seines Sohnes August kennen. Schnell fühlte Goethe für die 23-jährige Blumenbinderin Christiane Vulpius eine tiefe, sinnliche Partnerschaft. Ganze 18 Jahre ließ sich Goethe mit der Eheschließung Zeit.
Als betagter Mann verliebte sich Goethe im Sommer 1814 in die Frankfurter Bankierstochter Marianne von Willemer. Sie war erst 14 Jahre alt, und man weiß von den leidenschaftlichen Goethes, nicht aber, welche Gefühle Marianne für Goethe hegte.
Als weltbekannter Literat, im Alter von 72 Jahren, entbrannte Goethes Herz im Urlaub für die 17-jährige Ulrike von Levetzow, die sich die Avancen des temporär verjüngten berühmten Herrn zwar gefallen lässt, doch nicht darauf eingeht. Doch Goethe ist verliebt und hält offiziell um ihre Hand an. Als sein Ansinnen abgelehnt wird, verabschiedet er sich mit der "Marienbader Elegie" von der erotischen Liebe insgesamt.